Die Armut in der Welt – eine Quelle unseres Wohlstandes? – Gedanken zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober
Durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen wurde 1992 erklärt, am 17. Oktober künftig ausgegrenzten und Not leidenden Menschen Gehör zu verschaffen. Dass dieser Tag gewählt wurde, geht auf das Jahr 1987 zurück. Hunderttausende Menschen versammelten sich damals in Paris am Palais du Trocadéro, wo 1948 die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Erklärung der Menschenrechte angenommen und auch die Armut als eine Verletzung dieser elementaren Rechte definiert hatte. Das war vor nunmehr 72 Jahren. Das sind fast drei Generationen!
In ihrem Bericht von 2018 über die Armut und die Verteilung des Wohlstands zieht die Weltbank Bilanz, dass die extreme Armut auf dem Rückzug sei.
Allerdings gebe es viele Regionen auf unserer Erde, die nach wie vor stark von Armut betroffen seien. Fast 3 Milliarden Menschen haben weniger als zwei Dollar pro Tag zur Verfügung.
Wir haben das große Glück, in einem reichen Land zu leben. Was geht uns also ein Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut an?
Obwohl: Nicht jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland kann sich reich nennen.
Das digitale Zeitalter, in dem wir uns befinden, ermöglicht es, Fortschritte, die die

Menschheit in den Bereichen Medizin, Wissenschaft und Technologien erreicht hat, für unser aller Wohl – unsere Gesundheit, unsere Mobilität, eine abwechslungsreiche und angenehme Freizeitgestaltung, Urlaub in allen Winkeln der Welt, .… – zu nutzen.
Obwohl: Nicht jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland kann diese Segnungen als Selbstverständlichkeit ansehen.
Das Statistische Bundesamt legt 1074 Euro bei einem Einpersonenhaushalt als Armutsschwelle fest. Das seien 60 Prozent eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens. Wer weniger Geld zur Verfügung habe, gelte als armutsgefährdet .
Der sogenannte „Armuts- und Reichtumsbericht“ der Bundesregierung enthielt 2019 die Feststellung, dass 15,9 Prozent der Bürger in Armut oder an der Armutsgrenze leben würden. Bedeutet diese Zahl dann auch, dass Armut für fast 84 Prozent der Menschen in unserem Land kein Thema ist? Geht uns die Armut in der Welt nichts an, weil es den meisten von uns gut geht? Oder geht es uns so gut, weil fast 3 Milliarden Menschen – darunter zahlreiche Kinder – auf der Welt unter unwürdigen Verhältnissen arbeiten?
Armut hat viele Gesichter: Hunger, Elend, kein Dach über dem Kopf, fehlende oder nicht bezahlbare medizinische Behandlung und unzureichende Bildungschancen sind leider auch im Jahr 2020 in vielen Ländern der Erde bittere Realität. Flüchtlingsströme und das Leben unter unwürdigen
Bedingungen in Flüchtlingscamps zeigen, dass wir uns nicht nur mit armen Menschen solidarisch erklären sondern uns aktiv für die Bekämpfung von Armut auf der Welt einsetzen müssen. Wie viele Kriege und damit einhergehende Waffenlieferungen haben zu großem Elend und Armut über Generationen hinweg auf der Welt geführt?!
Und wie sieht es unmittelbar bei uns in Deutschland aus? Wenn wir das Elend und die Not in anderen Ländern betrachten, so könnten wir angesichts unseres Gesundheits- und Sozialsystems sowie der vorhandenen Bildungsmöglichkeiten leicht zu dem Schluss kommen, wir klagten auf hohem Niveau…
Aber nein: Armut hat viele Gesichter! Wenn Kinder an Klassenfahrten nicht teilnehmen können, das Geld für teure Kinderschuhe fehlt, sich nicht jeder im Alter den Zahnersatz leisten kann, das Geld für gesunde Nahrungsmittel nicht vorhanden ist oder Pflegekosten zu Altersarmut führen, dann zeigt uns das, dass auch in einem reichen Land wie der Bundesrepublik Deutschland Armut leider immer noch bittere Realität ist und wir uns dafür einsetzen müssen, soziale Ungerechtigkeiten zu beseitigen.
Monika Sperling und Annett Börner
AG Soziales DIE LINKE. Erzgebirge
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